Buch der Woche: Aus der schönen neuen Welt.Expeditionen ins Landesinnere.
Günter Wallraff dürfte den meisten Geisteswissenschaftlern, vor allem Soziologen aufgrund seiner investigativen Arbeit als Journalist in den achtziger Jahren, als Gastarbeiter Ali oder bei der Bild-Zeitung ein Begriff sein. Sein aktuelles Werk, eine Zusammenstellung seiner letzten Recherchearbeiten, macht den Leser einmal mehr auf offensichtliche Missstände in Deutschland aumerksam. Neben Reportagen aus seiner Tätigkeit für ein Callcenter und einer Lidl-Brotbackfabrik werden auch Wallraffs Selbstversuche als Obdachloser und als Schwarzafrikaner in Deutschland zu leben. Besonderes Augenmerkt verdient natürlich die Aufdeckung von offenen sowie verdeckten Rassismus. Sätze wie „Arbeit findest du in Afrika“ und „Schwarz wie der von der Heidi Klum – unmöglich“ fallen, Gewalt wird angedroht, auch im multikulturellen Köln-Ehrenfeld. Wallraffs Buch zeigt mit einem sehr leicht verständlichen Stil blanken den Zynismus, der in Deutschland mitunter herrscht. Hier als Obdachloser erlebt er, wie man mit falscher Meldebescheinigung keinen Platz in der Obdachlosenunterkunft bekommt. Da bei der Lidl-Brotbackfabrik, die Druck auf Ihre Mitarbeiter ausübt, den Not-Ausschalter auch in Gefahrensituationen nicht zu betätigen. Nebenbei wird beschrieben, wie man am besten Hartz-IV Empfängern am Telefon zum Lotto spielen überredet.
Alles ist das Buch sehr einfach zu lesen und regt stark zum Nachdenken an.
